Religions- und Ethikunterricht einmal anders: Genau das machte ein Besuch der 9. Jahrgangsstufe in der Synagoge von Weiden am 3. Februar 2026 möglich. Werner Friedmann, ein engagiertes Mitglied der jüdischen Gemeinde Weiden, hatte sich viel Zeit für uns genommen, um uns durch die Synagoge zu führen und uns die Lebensweise jüdischer Mitbürger näherzubringen.
Dabei machte Herr Friedmann auch keinen Hehl daraus, mit welcher Motivation er derartige Führungen anbietet: Angesichts zahlreicher Formen von Antisemitismus in Vergangenheit und Gegenwart sei es ihm wichtig, Vorurteile abzubauen und zu zeigen, dass Juden ganz normale Menschen sind.
Wie sehr Antisemitismus auch die jüdische Gemeinde Weiden geprägt hat, wurde schon an Herrn Friedmanns Ausführungen zur Geschichte der Juden in Weiden deutlich: Erstmals in der Mitte des 14. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wurden vereinzelt ansässige Juden im Lauf der Geschichte immer wieder in ihrer Berufsfreiheit eingeschränkt, zu besonderen Steuern und Zöllen verpflichtet oder gar vertrieben und getötet. Eine Gemeinde im eigentlichen Sinn entwickelte sich in Weiden erst Ende des 19. Jahrhunderts, als die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde und dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung nahm, weswegen sich auch vermehrt Juden dort ansiedelten.
Die wechselvolle Geschichte machte natürlich auch vor dem Synagogengebäude nicht Halt. Seit 1889 im Besitz der jüdischen Gemeinde musste das Gebäude zur Zeit des Nationalsozialismus an einen benachbarten Bonbonfabrikanten verkauft und umgebaut werden. Die Gemeinde erhielt das Gebäude erst nach dem Krieg zurück, so dass es seitdem wieder als Synagoge genutzt werden kann. Einzigartig in Europa sei laut Herrn Friedmann die aus dieser Zeit stammende Ausmalung des Betsaals, die ein Holocaust-Überlebender namens Julian Pfeiffer angefertigt hat.
In einem zweiten Teil erläuterte Herr Friedmann wichtige Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände der Synagoge: Dabei wurde auf die Mesusa am Eingang zum Betsaal ebenso hingewiesen, wie auf verschiedene Arten von Leuchtern (Menora bzw. Chanukkia), Gebetsriemen (Tefillin) oder Gebetsmänteln (Tallit). Höhepunkt des Synagogenbesuchs war zweifellos ein Blick in den Toraschrein, der heute mehrere Torarollen, das Allerheiligste für das Judentum, enthält.
Was diesen Besuch zu einer unverzichtbaren Ergänzung des Unterrichts in der Schule machte, war der Umstand, dass Herr Friedmann auf die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler einging und dabei auch aufzeigte, wie er persönlich den jüdischen Glauben im Alltag lebt (z. B. am Schabbat). Dass dieser Alltag für Juden in Weiden nicht immer frei von Anfeindungen ist, dass selbst Synagogengottesdienste unter dem Schutz der Weidener Polizei abgehalten werden müssen und dass Juden zunehmend aus Angst vor Anfeindungen auf religiöse Symbole in der Öffentlichkeit verzichten, machte die Neuntklässler sehr betroffen und verdeutlichte ihnen den Wert von Freiheit und Frieden in der Gesellschaft. Nur durch Dialog und gegenseitiges Verständnis können diese auch in Zukunft erhalten bleiben.
StRin Sonja Winkler