Herzog-Christian-August-Gymnasium

Sulzbach-Rosenberg

Theatervorstellung der Theater-AG (Mittel-/Oberstufe)

„Die Physikerinnen“ (nach „Die Physiker – Eine Komödie in Zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt)

Stellen Sie sich vor, sie hätten das Problem der Gravitation gelöst und damit Star Treks Warp-Antrieb ermöglicht, um in die unendlichen Weiten des Alls vorzustoßen. Sie haben außerdem die Weltformel gefunden und die Physik revolutioniert. Sie könnten ihre Erkenntnisse der Wissenschaft zur Verfügung stellen und gleich mehrere Nobelpreise gewinnen. Oder sie gründen ein Unternehmen, dass SpaceX wie einen Gemischtwarenladen aussehen lässt und werden reicher als Jeff Besos. Klingt unwahrscheinlich? Verrückt? Geradezu irre? – Genau, denn „Die Physikerinnen“ haben nichts davon gemacht, sondern sind in einer Irrenanstalt und nicht auf dem Weg in weit entfernte Galaxien oder schwimmen im Geld wie Dagobert Duck.

Aber zurück zum Anfang, denn eigentlich war zu Beginn des Stückes noch nicht bekannt, was sie alles entdeckt haben. Im Gegenteil, alle Physikerinnen waren scheinbar harmlose Frauen, die nur unter der Vorstellung litten, sie seien Émilie du Châtelet, Marie-Curie, Lise Meitner oder Emmy Noether.

Sie verbringen ruhige Jahre in einem Sanatorium unter der medizinischen Betreuung der psychologischen Chefärztin Dr. Mathilde von Zahnd und eigentlich hätte niemand davon Notiz genommen, bis sich schreckliche Ereignisse zutrugen. Jede der Physikerinnen begeht plötzlich wie aus dem Nichts einen Mord an einer Krankenschwester. Die Polizei unter der Führung von Hauptkommissarin Weber ermittelt, findet aber keine Antwort.

Hat die Arbeit mit Radioaktivität die Physikerinnen etwa unheilbar krank gemacht?

Und was haben die verwirrenden Familienkonstellationen der beiden Protagonistinnen Lise und Emmy damit zu tun?

Und wer ist eigentlich die vermeintlich humanistisch gesinnte, freundliche Chefärztin von Zahnd?

In einem Stück voller Wendungen und absurder Zufälle und Begebenheiten deckte die Theater-AG der Mittel- und Oberstufe philosophische Erkenntnisse und weltbewegende Geheimnisse auf. Etwa, dass ein Löffel ein mächtigeres Mordwerkzeug sein kann als eine Pistole. Oder welche Rolle zwei Geheimdienste ohne Namen mit den Physikerinnen verband. Und schließlich, dass die Physikerinnen tatsächlich die anfangs genannten Entdeckungen gemacht haben – statt Ruhm und Geld sich jedoch für ein Leben als Verrückte entschieden, um die Menschheit vor ihren Entdeckungen zu schützen. Denn was die Menschheit mit Atombomben anrichten kann, wissen wir leider bereits. Aber was würde sie erst mit Waffen und Technologie tun, gegen die Atombomben wie Silvesterböller wirken?

So klärte sich auch auf, weshalb die Krankenschwestern starben mussten. Das Motiv war das älteste der Welt: Liebe. Liebe und die Erkenntnis der Wahrheit.

Doch gerade als es schien, dass die Geschichte ein bittersüßes Ende gefunden hatte, offenbarte sich in einem Plot-twist, dass alle Bemühungen der Physikerinnen, ihr Wissen vor der Welt zu verstecken, gescheitert sind. Denn Dr. von Zahnd hat ihre Position genutzt, sich die Entdeckungen anzueignen und damit nicht nur die Weltherrschaft an sich zu reißen, sondern auch das Sonnensystem, ja weit entfernte Galaxien ins Auge zu fassen.

So fand die Geschichte, wie von Friedrich Dürrenmatt, Autor des Vorbilds „Die Physiker“, niedergeschrieben, die Komödie die „schlimmstmögliche Wendung“.

Am Ende blieb den Physikerinnen nicht übrig, als wahrhaftig in ihre Rollen zu schlüpfen und einsam und vergessen in einer schwer bewachten Hochsicherheitsanlage des neuen Weltkonzerns ihre Lebensjahre zu fristen, während eine wahnsinnig gewordene, blonde Unternehmerin, gestützt auf moderne Technologie und KI, die Welt an sich reißt.

StR David Schönmann